Was bedeutet Bioverfügbarkeit?
Die Bioverfügbarkeit gibt an, welcher Anteil eines Wirkstoffs nach der Einnahme unverändert im Blutkreislauf ankommt und im Körper zur Verfügung steht. Bei Medikamenten, die direkt in die Vene gegeben werden, beträgt sie per Definition 100 %. Bei Curcumin aus normalem Kurkuma-Pulver ist sie dagegen sehr gering, weil der Wirkstoff schlecht aufgenommen und schnell abgebaut wird.
Bioverfügbarkeit einfach erklärt
Was du schluckst, ist nicht automatisch das, was dein Körper nutzen kann. Zwischen dem Mund und dem Blutkreislauf liegen mehrere Stationen: Der Wirkstoff muss sich im Darm lösen, die Darmwand passieren und darf nicht sofort wieder abgebaut werden. Die Bioverfügbarkeit beschreibt, wie viel am Ende übrig bleibt. Sie wird meist in Prozent angegeben oder als Vergleichswert (zum Beispiel „das Zehnfache von Präparat X“).
Gemessen wird sie in pharmakokinetischen Studien: Probandinnen und Probanden nehmen den Stoff ein, danach wird über Stunden die Konzentration im Blut bestimmt. Aus der Fläche unter dieser Kurve (AUC) lässt sich die aufgenommene Menge berechnen.
Warum ist die Bioverfügbarkeit bei Curcumin so wichtig?
Curcumin gilt als der Hauptwirkstoff der Kurkumawurzel, ist aber ein Paradebeispiel für schlechte Bioverfügbarkeit. Drei Hürden spielen zusammen:
- Löslichkeit: Curcumin ist lipophil, also fettliebend, und löst sich kaum in dem wässrigen Milieu des Darms. Es klumpt zusammen und wird großenteils nicht aufgenommen.
- Aufnahme: Das wenige, was sich löst, muss die Darmwand passieren (Resorption).
- Abbau: Schon in Darmwand und Leber wird Curcumin schnell umgebaut und ausgeschieden (First-Pass-Effekt). Die Halbwertszeit von freiem Curcumin ist in Tier- und Zellversuchen kurz (in Rattenstudien im Minutenbereich; einen verlässlichen Einzelwert für den Menschen gibt es nicht).
Kurkuma-Pulver enthält zudem nur etwa 2 bis 5 % Curcumin. Bei reinem Pulver landet oft weniger als 1 % des Wirkstoffs im Blut. Das ist der Grund, warum Studien meist mit Extrakten arbeiten und nicht mit dem Gewürz aus der Küche.
Wege, die Bioverfügbarkeit von Curcumin zu erhöhen
Die Faktoren stammen aus der Studienlage, wie sie in unseren Artikeln beschrieben ist. Die Zahlen sind Herstellerangaben bzw. Ergebnisse einzelner Studien und nicht direkt untereinander vergleichbar.
| Ansatz | Prinzip | Angegebener Effekt |
|---|---|---|
| Ansatz Fett zur Mahlzeit | Prinzip Gallensäuren bilden Mizellen, die Curcumin transportieren | Angegebener Effekt besser als ohne Fett, löst das Abbauproblem aber nicht |
| Ansatz Piperin (schwarzer Pfeffer) | Prinzip hemmt Enzyme beim Abbau | Angegebener Effekt in einer kleinen Studie von 1998 (8 Probanden) etwa 20-fach erhöht, spätere Arbeiten fanden keinen signifikanten Effekt; kann auch Medikamente beeinflussen |
| Ansatz Mizellen | Prinzip Curcumin in einer wasserlöslichen Hülle | Angegebener Effekt in einer Studie mit 23 Erwachsenen bis zu 185-fach (AUC) gegenüber nativem Curcumin-Pulver |
| Ansatz Cyclodextrin-Komplex | Prinzip Curcumin in einem Zuckerring, wasserlöslich | Angegebener Effekt in einer kleinen Pilotstudie mit 12 Gesunden rund 39-fach (Gesamt-Curcuminoide) bzw. 85-fach (Curcumin), AUC, dosisbereinigt, gegenüber nicht formuliertem Standardextrakt |
Was Bioverfügbarkeit nicht aussagt
Eine höhere Bioverfügbarkeit bedeutet nicht automatisch eine stärkere Wirkung. Sie sagt nur, dass mehr Wirkstoff im Blut ankommt. Ob das einen gesundheitlichen Effekt hat, muss in eigenen Studien gezeigt werden. Auch sind Vielfache („39-fach“) immer auf einen Vergleich bezogen und hängen von der Messgröße ab: Gesamt-Curcuminoide und Curcumin verhalten sich unterschiedlich.
Bei Curcumin+ haben wir diese Frage so angegangen: Curcumin ist mit γ-Cyclodextrin zu einem Einschlusskomplex verbunden, ohne Piperin. In einer kleinen Pilotstudie mit einer γ-Cyclodextrin-Formulierung (European Journal of Nutrition, 12 gesunde Erwachsene, doppelblind, Crossover) lag die AUC (dosisbereinigt) für die gesamten Curcuminoide etwa beim 39-Fachen und die für Curcumin beim etwa 85-Fachen im Vergleich zu einem nicht formulierten Standardextrakt. Untersucht wurde dabei das Handelsprodukt eines anderen Herstellers, das mit einem anderen Verfahren hergestellt wird. Curcumin+ wird im Knetverfahren hergestellt; eine eigene Aufnahmestudie zu Curcumin+ gibt es nicht, die Werte lassen sich daher nicht direkt übertragen. Das beschreibt die Aufnahme, nicht eine Wirkung auf Beschwerden.
Häufige Fragen zur Bioverfügbarkeit
Wie hoch ist die Bioverfügbarkeit von Kurkuma? Bei reinem Kurkuma-Pulver gelangt oft weniger als 1 % des Curcumins ins Blut. Genaue Werte hängen von Präparat, Mahlzeit und Messmethode ab.
Was bedeutet „x-fach bioverfügbar“? Das ist ein Vergleichswert gegenüber einem Referenzprodukt, meist aus der AUC einer Studie an wenigen gesunden Personen. Frag immer: gegenüber was, und gemessen woran?
Heißt mehr Bioverfügbarkeit mehr Wirkung? Nicht automatisch. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass ein Stoff überhaupt ankommt, ersetzt aber keine Wirkungsstudien. Auch bei anderen Stoffen, etwa Mineralstoffen, entscheidet die Form über die Aufnahme.


