Wissenschaft zuerst. Produkte später.

Logo

Was ist Pharmakokinetik (AUC, Cmax)?

Die Pharmakokinetik beschreibt, was der Körper mit einem Stoff macht: wie er aufgenommen, im Körper verteilt, abgebaut und ausgeschieden wird. Gemessen wird dazu die Konzentration im Blut über die Zeit. Kennzahlen wie AUC, Cmax und Halbwertszeit zeigen, wie viel Wirkstoff ankommt und wie lange er bleibt.

Pharmakokinetik einfach erklärt

Die Pharmakokinetik (PK) beantwortet vier Fragen, oft mit der Abkürzung ADME zusammengefasst:

  • Absorption (Aufnahme): Wie viel gelangt aus dem Darm ins Blut? (siehe Resorption)
  • Distribution (Verteilung): Wohin wandert der Stoff im Körper?
  • Metabolismus (Abbau): Wie wird er, vor allem in der Leber, umgebaut?
  • Exkretion (Ausscheidung): Wie verlässt er den Körper, etwa über Niere oder Galle?

Davon zu unterscheiden ist die Pharmakodynamik: Sie beschreibt, was der Stoff im Körper bewirkt. Die PK sagt also nichts darüber, ob ein Stoff wirkt, sondern nur, ob und wie viel davon am Ziel ankommt.

Die wichtigsten Kennzahlen

So liest du PK-Studien: Aus der Blutkonzentration über die Zeit ergeben sich diese Werte.

Kennzahl
Cmax
Bedeutung
höchste gemessene Konzentration im Blut
Was sie zeigt
wie viel maximal ankommt
Kennzahl
Tmax
Bedeutung
Zeit bis zum Höchstwert
Was sie zeigt
wie schnell die Aufnahme erfolgt
Kennzahl
AUC (Area Under the Curve)
Bedeutung
Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve
Was sie zeigt
die insgesamt aufgenommene Menge über die Zeit
Kennzahl
Halbwertszeit
Bedeutung
Zeit, in der die Konzentration auf die Hälfte sinkt
Was sie zeigt
wie schnell der Stoff abgebaut wird

Pharmakokinetik bei Curcumin

Für Curcumin sind die PK-Daten der Kern des Problems: Freies Curcumin wird schlecht aufgenommen, in Leber und Darm schnell abgebaut (First-Pass-Effekt) und hat in Tier- und Zellversuchen eine kurze Halbwertszeit von nur wenigen Minuten. Im Blut findet man daher meist vor allem die Abbauprodukte (Glucuronide), kaum freies Curcumin.

Wenn Hersteller von „x-facher Bioverfügbarkeit“ sprechen, stammen die Zahlen fast immer aus PK-Studien an gesunden Probanden, die meist die AUC vergleichen. Wichtig beim Lesen: Welche Messgröße wurde verglichen (Gesamt-Curcuminoide oder freies Curcumin)? Gegen welches Referenzprodukt? Wie viele Personen nahmen teil? Ein Beispiel ist eine kleine Pilotstudie zu einer γ-Cyclodextrin-Formulierung (European Journal of Nutrition, 12 gesunde Erwachsene, doppelblind, Crossover): etwa das 39-Fache bei der AUC der Gesamt-Curcuminoide und das 85-Fache bei Curcumin (dosisbereinigt) gegenüber einem nicht formulierten Standardextrakt. Das ist eine Aussage über die Aufnahme bei gesunden Personen und kein Beleg für eine Wirkung auf Beschwerden.

Gut zu wissen

PK-Studien sind meist klein (oft 10 bis 30 Personen) und an Gesunden durchgeführt. Sie sagen etwas über die Aufnahme, nicht über den Nutzen eines Präparats. Für Aussagen zur Wirkung braucht es eigene klinische Studien.

Häufige Fragen zur Pharmakokinetik

Was ist der Unterschied zwischen Pharmakokinetik und Pharmakodynamik? Pharmakokinetik: was der Körper mit dem Stoff macht. Pharmakodynamik: was der Stoff im Körper macht.

Warum sind PK-Studien oft so klein? Sie brauchen viele Blutentnahmen pro Person, sind aufwendig und kommen mit wenigen Teilnehmenden aus, besonders im Crossover-Design, in dem jede Person beide Präparate nacheinander erhält.

Kann ich aus einer höheren AUC auf eine bessere Wirkung schließen? Nein, nur auf mehr aufgenommenen Stoff. Für Wirkungen braucht es klinische Studien.

Halbwertszeit

Die Halbwertszeit gibt an, nach welcher Zeit die Hälfte eines Stoffes im Körper abgebaut oder ausgeschieden ist.

Bioverfügbarkeit

Bioverfügbarkeit gibt an, welcher Anteil eines Wirkstoffs tatsächlich im Blut ankommt – bei Curcumin ist sie von Natur aus sehr gering.

Resorption

Resorption ist die Aufnahme eines Stoffes aus dem Darm ins Blut – wie sie funktioniert, wovon sie abhängt und warum sie bei Curcumin so gering ausfällt.

Probanden

Probanden sind gesunde Teilnehmende an wissenschaftlichen Studien; Patienten haben die untersuchte Erkrankung. Warum die Unterscheidung wichtig ist.

Diese Artikel erklären, wie Pharmakokinetik beim Verständnis von Curcumin hilft.

Hände streuen Kurkuma-Pulver in eine Pfanne mit Gemüse – Kurkuma-Pulver richtig einnehmen
#Bioverfügbarkeit
17.10.2026Lesezeit: 10 Minuten

So nimmst du Kurkuma-Pulver richtig ein

Kurkuma-Pulver wirkt nur, wenn es ankommt. Warum „Goldene Milch“ oft nicht reicht und wie du die Bioverfügbarkeit deutlich erhöhst.

Mehr lesen
Frau am Küchentisch mit Pfeffermühle und Kurkuma: Piperin und Kurkuma bei Medikamenten
#Bioverfügbarkeit
17.10.2026Lesezeit: 7 Minuten

Wann Piperin und Kurkuma bei Medikamenten gefährlich werden

Kurkuma + Pfeffer = 2000% mehr Wirkung? Vorsicht: Der Biohack kann Medikamente beeinflussen. Erfahre, warum der Pfeffer-Trick riskant ist und welche sicheren Alternativen es gibt.

Mehr lesen