Was ist der First-Pass-Effekt?
Der First-Pass-Effekt (First-Pass-Metabolismus) beschreibt den Abbau eines Wirkstoffs in Darmwand und Leber, bevor er den großen Körperkreislauf erreicht. Was über die Darmwand ins Blut gelangt, läuft zuerst über die Pfortader durch die Leber; ein Teil fettlöslicher Stoffe wird stattdessen über das Lymphsystem aufgenommen und umgeht sie. Ein Teil wird dort umgebaut und ausgeschieden, sodass weniger im Blut ankommt, als eingenommen wurde.
Wie funktioniert der First-Pass-Effekt?
Nach dem Schlucken wird ein Wirkstoff im Dünndarm aufgenommen. Das Blut aus dem Darm fließt aber nicht direkt in den Körper, sondern zuerst über die Pfortader zur Leber. Die Leber ist das zentrale Entgiftungsorgan. Mit ihren Enzymen verändert sie fremde Stoffe chemisch, meist so, dass sie wasserlöslicher werden und über Niere oder Galle ausgeschieden werden können. Schon in der Darmwand sind ähnliche Enzyme aktiv.
Wer diese „erste Passage“ nicht unverändert übersteht, gelangt nicht ins Blut. Der Anteil, der es schafft, bestimmt die Bioverfügbarkeit. Manche Medikamente sind deshalb als Spritze, Zäpfchen oder Tablette unter der Zunge ausgelegt, weil sie so die Leber zunächst umgehen.
First-Pass-Effekt bei Curcumin
Curcumin ist ein klassisches Beispiel. Die Leber erkennt es als Fremdstoff und koppelt es sehr schnell an Glucuronsäure oder Schwefelverbindungen. Dieser Vorgang heißt Glucuronidierung. Das Ergebnis sind gut wasserlösliche Abbauprodukte, die rasch ausgeschieden werden. Die Halbwertszeit von freiem Curcumin ist in Tier- und Zellversuchen entsprechend kurz (in Rattenstudien im Minutenbereich; einen verlässlichen Einzelwert für den Menschen gibt es nicht).
Dazu kommt ein zweiter Engpass vor dem First-Pass-Effekt: Curcumin ist fettlöslich und löst sich im Darm schlecht. Beide Hürden zusammen erklären, warum bei reinem Kurkuma-Pulver oft weniger als 1 % des Wirkstoffs im Blut ankommt. Fett zur Mahlzeit verbessert die Aufnahme, ändert aber nichts am Abbau in der Leber.
Wie lässt sich der First-Pass-Effekt bei Curcumin beeinflussen?
Zusammenfassung der in unseren Artikeln beschriebenen Ansätze.
| Ansatz | Wirkung auf den First-Pass | Einschränkung |
|---|---|---|
| Ansatz Fett zur Mahlzeit | Wirkung auf den First-Pass löst vor allem das Löslichkeitsproblem | Einschränkung Abbau in der Leber bleibt |
| Ansatz Piperin (schwarzer Pfeffer) | Wirkung auf den First-Pass hemmt abbauende Enzyme in Leber und Darm | Einschränkung kann auch den Abbau von Medikamenten hemmen |
| Ansatz Lösliche Formulierungen (Mizellen, Cyclodextrin-Komplex) | Wirkung auf den First-Pass mehr Wirkstoff gelangt in gelöster Form in den Körper | Einschränkung Aufnahme steigt, Abbau findet weiterhin statt |
Stoffe, die Leberenzyme hemmen, können den First-Pass-Effekt auch bei Arzneimitteln verändern und deren Wirkspiegel erhöhen. Das gilt zum Beispiel für Piperin. Wenn du Medikamente nimmst, sprich Nahrungsergänzungen vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab. Dies ist keine medizinische Beratung.
Häufige Fragen zum First-Pass-Effekt
Betrifft der First-Pass-Effekt alle Medikamente? Alle Stoffe, die über den Darm aufgenommen werden. Wie stark, hängt vom Wirkstoff ab: Manche werden fast vollständig abgebaut, andere kaum.
Ist der First-Pass-Effekt schlecht? Nein, er ist ein normaler Schutzmechanismus der Leber. Er wird nur dann zum Problem, wenn ein Wirkstoff zu schnell abgebaut wird, um anzukommen.
Hilft Curcumin mit Pfeffer? Piperin hemmt abbauende Enzyme und kann die Aufnahme von Curcumin erhöhen. Es kann aber auch den Abbau von Medikamenten verändern, weshalb manche Produkte bewusst ohne Piperin auskommen.


