Was ist Piperin und wie wirkt es mit Curcumin?
Piperin ist der Scharfstoff des schwarzen Pfeffers. Es bremst Enzyme und Transportproteine, die Curcumin im Körper abbauen oder wieder ausschleusen, und steigert so die Aufnahme von Curcumin. Dasselbe gilt aber auch für viele Arzneimittel, weshalb Piperin Wechselwirkungen verursachen kann.
Piperin einfach erklärt
Piperin ist ein Alkaloid, das dem schwarzen Pfeffer (Piper nigrum) seine Schärfe gibt. In Kurkuma-Präparaten wird es häufig zugesetzt, oft als „Pfeffer-Extrakt“ oder unter der Bezeichnung BioPerine® auf der Zutatenliste.
Wie funktioniert der „Pfeffer-Trick“?
Curcumin hat ein Grundproblem: Es löst sich kaum in Wasser, wird im Darm schlecht aufgenommen und in der Leber rasch umgebaut und ausgeschieden (siehe Glucuronidierung). Piperin greift an zwei Stellen ein:
- Es hemmt Leberenzyme wie CYP3A4 und Enzyme der Glucuronidierung. Curcumin wird langsamer abgebaut.
- Es hemmt das Transportprotein P-Glykoprotein, das Stoffe aus Zellen zurück ins Darmlumen pumpt.
Die Folge: Mehr Curcumin bleibt im Blut. Dabei wird häufig eine Studie von Shoba und Kollegen aus dem Jahr 1998 zitiert, in der Probanden 2 g Curcumin mit und ohne 20 mg Piperin erhielten. Mit Piperin lag die Aufnahme etwa um das 20-Fache höher (die bekannte „2000 %“-Zahl). Es handelt sich um eine kleine, ältere Untersuchung mit acht Probanden und einer Blutentnahme über nur sechs Stunden; ihr Wert ist nicht auf jedes Produkt übertragbar.
Weil Piperin nicht nur Curcumin, sondern den Abbau vieler Arzneimittel verlangsamt, können deren Spiegel im Blut steigen. Das betrifft zum Beispiel Blutverdünner, Blutdruck- und Herzmedikamente, bestimmte Antidepressiva oder Medikamente mit geringer therapeutischer Breite. Wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst, sprich Piperin-haltige Präparate vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke ab. Dieser Text ersetzt keine medizinische Beratung.
Alternativen ohne Piperin
Piperin ist nicht der einzige Weg, die Bioverfügbarkeit von Curcumin zu verbessern. Andere Ansätze setzen auf Formulierungen, die Curcumin besser wasserverträglich machen: Mizellen, Phospholipid-Komplexe oder Einschlusskomplexe mit Cyclodextrin. Ob sie Leberenzyme beeinflussen, ist je nach Formulierung unterschiedlich gut untersucht. Curcumin+ von 2 Kapseln Bitte arbeitet mit einem Curcumin-γ-Cyclodextrin-Komplex und enthält kein Piperin. Welche Form für dich passt, ist auch eine Frage der Medikamente, die du nimmst, und der Verträglichkeit; manche empfinden Piperin als magenreizend.
Was sagen Studien zu Piperin und Curcumin?
Die Studienlage zeigt ein differenziertes Bild. Die ältere Untersuchung von Shoba et al. (1998) fand bei gleichzeitiger Gabe von Piperin eine stark erhöhte Curcumin-Aufnahme. Eine spätere Studie mit 30 Teilnehmenden (Fança-Berthon et al., 2021) fand bei der Piperin-Kombination keinen signifikanten Unterschied zu einem Standardextrakt, zumindest bei den ungebundenen Curcuminoiden. Zudem hängt die Aufnahme davon ab, ob das Curcumin frei oder in einer Formulierung vorliegt.
Für die Praxis heißt das: Eine höhere Aufnahme ist nicht automatisch ein Vorteil, wenn sie mit einer verlangsamten Verstoffwechselung anderer Substanzen einhergeht. Hinzu kommt, dass die Wirkung auf Leberenzyme dosisabhängig ist; wie stark sie im Einzelfall ausfällt, lässt sich nicht vorhersagen. Ob die Kombination für dich sinnvoll ist, hängt deshalb von deiner persönlichen Situation ab.
Häufige Fragen
Wie viel Piperin steckt in schwarzem Pfeffer? Je nach Sorte etwa ein paar Prozent. Mit einer Prise im Essen erreichst du deutlich weniger als die Mengen, die in Studien eingesetzt wurden.
Ist Piperin schädlich? Als Gewürz in Küchenmengen gilt es als unproblematisch. Fragen stellen sich vor allem bei konzentrierten Präparaten und gleichzeitiger Medikamenteneinnahme.
Woran erkenne ich Piperin auf der Verpackung? Achte auf „Piperin“, „Piper nigrum“, „Schwarzer-Pfeffer-Extrakt“ oder „BioPerine®“ in der Zutatenliste.


