Was ist P-Glykoprotein (P-gp)?
P-Glykoprotein, kurz P-gp, ist ein Transportprotein in Zellmembranen, das Fremdstoffe aktiv aus der Zelle zurückpumpt. Es sitzt unter anderem in der Darmwand, der Leber und der Blut-Hirn-Schranke und bestimmt mit, wie viel eines Wirkstoffs im Körper ankommt. Piperin kann es hemmen.
P-Glykoprotein einfach erklärt
Stell dir P-gp als Türsteher vor, der in der Zellwand sitzt. Gelangt ein Fremdstoff in die Zelle, kann P-gp ihn unter Energieaufwand wieder hinauspumpen. Fachlich ist es eine sogenannte Auswärtspumpe (Efflux-Pumpe), codiert vom Gen ABCB1. Sie schützt den Körper vor Giftstoffen, behandelt aber auch viele Arzneistoffe so, als wären sie unerwünscht.
Wo P-gp sitzt
- Dünndarm: pumpt Stoffe zurück ins Darminnere und verringert so die Aufnahme
- Leber und Niere: fördert die Ausscheidung über Galle und Urin
- Blut-Hirn-Schranke: hält viele Stoffe vom Gehirn fern
Zusammen mit dem Abbauenzym CYP3A4 bildet P-gp eine Art Doppelsperre, die die Bioverfügbarkeit vieler oral eingenommener Stoffe begrenzt.
P-gp, Piperin und Curcumin
Piperin, der Scharfstoff im schwarzen Pfeffer, hemmt nach Laborbefunden sowohl CYP3A4 als auch P-gp. Die bekannte Piperin-Studie (Shoba et al., 1998: 8 gesunde Freiwillige, 2 g Curcumin mit oder ohne 20 mg Piperin) fand einen etwa 20-fach höheren Curcumin-Spiegel im Blut. Als Mechanismus wurde dort vor allem die Hemmung der Glucuronidierung genannt, eine P-gp-Hemmung wurde nicht als Ursache belegt. Die Studie ist klein und alt; spätere Arbeiten (z. B. Fança-Berthon et al., 2021) konnten keinen deutlichen Effekt bestätigen.
Dasselbe gilt aber für Arzneimittel. Wirkstoffe, die P-gp als Ausgang nutzen, können unter Piperin höher im Blut liegen als gedacht. Ein oft genanntes Beispiel für ein P-gp-Substrat ist Digoxin, ein Herzmedikament. Die Einordnung für den Einzelfall gehört in ärztliche Hände.
Auch einige Medikamente und Lebensmittel hemmen oder aktivieren P-gp, das ist ein häufiger Grund für Wechselwirkungen.
Warum P-gp bei Nahrungsergänzung eine Rolle spielt
Nicht nur Piperin kann P-gp beeinflussen. Auch andere Pflanzenstoffe und einzelne Lebensmittel werden in der Forschung als mögliche Hemmer oder Aktivatoren diskutiert, mit teils unklarer Bedeutung beim Menschen. Hinzu kommen Unterschiede zwischen Personen: Die Menge an P-gp in der Darmwand ist genetisch und individuell verschieden.
Wichtig ist: Laborbefunde zeigen, was möglich ist, nicht unbedingt was bei normaler Ernährung passiert. Mit den Mengen Pfeffer, die du üblicherweise ins Essen gibst, sind die Effekte deutlich geringer als bei hochdosierten Piperin-Extrakten.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Abkürzung P-gp? Sie steht für Permeabilitäts-Glykoprotein; es wird auch MDR1 oder ABCB1 genannt.
Warum ist P-gp für Medikamente wichtig? Es bestimmt mit, wie viel eines Arzneistoffs aufgenommen und ausgeschieden wird. Hemmung oder Aktivierung kann Wirkspiegel verändern.
Muss ich schwarzen Pfeffer meiden? Normale Küchenmengen gelten im Allgemeinen als unproblematisch. Bei hochdosierten Piperin-Präparaten und Medikamenten mit enger therapeutischer Breite solltest du Rücksprache halten.
Wenn du Medikamente einnimmst, besonders solche mit enger therapeutischer Breite (zum Beispiel Herzmedikamente, Immunsuppressiva oder Gerinnungshemmer), sprich vor der Einnahme von Piperin-haltigen Präparaten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt oder deiner Apotheke. Das ist keine medizinische Beratung.
