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Was bedeutet Evidenz (Studienlage)?

Evidenz bedeutet in der Medizin und Wissenschaft: Wie gut sind Belege für eine Aussage? Gemeint ist die Studienlage, also Menge, Qualität und Übereinstimmung der vorhandenen Untersuchungen. Eine hohe Evidenz stützt sich auf mehrere gut gemachte Studien mit Menschen, eine niedrige auf Einzelfälle, Zellversuche oder Tierstudien.

Evidenz einfach erklärt

Das Wort stammt vom lateinischen „evidentia“ (Augenschein), meint in der Wissenschaft aber nicht „offensichtlich“, sondern belegt. Die Evidenzlage beschreibt, wie belastbar das Wissen zu einer Frage ist, zum Beispiel: Hilft Substanz X bei Beschwerde Y? Nicht jede Studie wiegt gleich viel. Entscheidend sind Studientyp, Größe, Dauer, Qualität der Durchführung und ob mehrere unabhängige Untersuchungen zum gleichen Ergebnis kommen.

Die Evidenz-Pyramide: Von schwach nach stark

Eine vereinfachte Einordnung der Studientypen. Je weiter unten in der Tabelle, desto belastbarer die Aussage für Menschen.

Ebene
Laborversuch (In-vitro)
Beispiel
Wirkung auf Zellen im Reagenzglas
Aussagekraft
Hinweis, aber weit weg vom Menschen
Ebene
Tierstudie
Beispiel
Versuche an Mäusen oder Ratten
Aussagekraft
Hinweis, nicht direkt übertragbar
Ebene
Beobachtungsstudie, Fallbericht
Beispiel
Menschen werden beobachtet, keine Zuteilung
Aussagekraft
kann Zusammenhänge zeigen, aber keine Ursache belegen
Ebene
Randomisierte kontrollierte Studie
Beispiel
Zufällige Zuteilung, Vergleich mit Placebo
Aussagekraft
gute Aussagekraft für Wirkung
Ebene
Systematischer Review / Meta-Analyse
Beispiel
fasst mehrere Studien zusammen
Aussagekraft
höchste Ebene, wenn die Einzelstudien gut sind

Evidenz bei Kurkuma und Curcumin

Für Curcumin gibt es viele Laborstudien, aber deutlich weniger große, gut kontrollierte Studien am Menschen. In unseren Artikeln zur Arthrose gilt Curcumin im Vergleich zu anderen Gewürzen als am besten erforscht, vor allem bei Kniearthrose, wo mehrere kontrollierte Studien und Übersichtsarbeiten vorliegen. Bei Ingwer ist die Studienlage dünner, bei Gewürzen wie Muskat gibt es keine großen klinischen Studien, die Wirksamkeit und Sicherheit belegen.

Auch eine „solide“ Evidenz bedeutet nicht, dass etwas sicher hilft. Sie bedeutet, dass die vorhandenen Studien in dieselbe Richtung zeigen, dass die Effekte aber oft moderat sind und Studien klein, kurz oder uneinheitlich bleiben können. Ein Präparat in einer Studie ist außerdem nicht dasselbe wie jedes andere Produkt mit demselben Inhaltsstoff.

So bewertest du eine Aussage

Achte auf: Studien am Menschen, Placebo-Gruppe, ausreichende Teilnehmerzahl (kleine Studien mit wenigen Dutzend Teilnehmenden sind nur eingeschränkt aussagekräftig), unabhängige Bestätigung und darauf, wer die Studie bezahlt hat. Einzelberichte, Zellversuche und Mausstudien sind interessant, aber kein Beweis für eine Wirkung bei dir.

Häufige Fragen zur Evidenz

Was heißt „evidenzbasiert“? Entscheidungen stützen sich auf die beste verfügbare Studienlage, ergänzt durch Erfahrung und individuelle Situation.

Ist „keine Evidenz“ dasselbe wie „wirkt nicht“? Nein. Fehlende Evidenz heißt, dass es keine ausreichenden Studien gibt, nicht, dass eine Wirkung widerlegt ist. Umgekehrt ist eine Wirkung auch nicht belegt.

Wer bewertet Evidenz? Fachgesellschaften und Institutionen wie die EFSA werten Studien nach festen Kriterien aus. Ein Beispiel ist die EFSA, die auch Gesundheitsaussagen für Lebensmittel prüft.

Meta-Analyse

Eine Meta-Analyse fasst die Ergebnisse mehrerer Einzelstudien statistisch zusammen und liefert so eine belastbarere Gesamtaussage.

Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)

Eine randomisierte kontrollierte Studie teilt Teilnehmer zufällig Gruppen zu und vergleicht sie – der Standard für belastbare Aussagen.

Systematischer Review

Ein systematischer Review wertet alle Studien zu einer Frage nach festen Regeln aus. Hier erfährst du, wie er funktioniert und wie du ihn einordnest.

Placebo

Ein Placebo ist ein Scheinpräparat ohne Wirkstoff, das in Studien als Vergleich dient, um echte Effekte von Erwartungseffekten zu trennen.

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